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Fahr zur Hölle, aber komm zurück!
Die winzigen, aber kräftigen Schergen sind an sich schon mächtig und grausam genug. Doch aus einem unerfindlichen Grund benötigen sie einen führenden Meister, welcher sie anweist und herumkommandiert. In Overlord hatten sie ihren Meister - den Overlord - gefunden. Dieser sah es, so mächtig wie er geworden ist, letztendlich nicht mehr für notwendig an, weiterhin mit seinen Schergen durchs Land zu ziehen und Unheil zu verbreiten. Außerdem waren alle Helden, die ihm das Leben erschwerten, bereits besiegt und es gab nichts mehr zu tun. Er hat sich also kurzerhand in der Unterwelt in den Ruhestand versetzt. Die Schergen haben jedoch nicht die Absicht, ohne einen Meister umher zu ziehen und versuchen sich darin, einen neuen Overlord ausfindig zu machen, welcher ihrem alten Meister in nichts nachsteht. In dem kleinen Dorf Nordberg werden sie fündig, als sie einen kleinen Jungen dabei beobachten, wie er seine Kameraden quält und verprügelt, Blitze schleudert und Feuer anzündet. Es handelt sich dabei um den Sohn des geliebten, alten Meisters. Der Kleine ist den Schergen gleich sympathisch und sie entschließen sich dazu, ihn zu ihrem neuen Führer zu machen. "Führe uns, Meister" ist es aus den Reihen der Schergen zu hören. Und so geschieht es auch. Sie nutzen sein unmoralisches Potential und erziehen den Jungen weiter bis er zu ihrem neuen, finsteren Overlord wird.
Zu Anfang müsst ihr den Overlord in jungem Alter steuern und mit Katapulten Soldaten zertrümmern und Dörfer niederreißen. Der Reiz dieses Abschnitts ist das kindliche Verhalten des Overlord und seiner an Streiche erinnernden Gräueltaten. Das eigentliche Spielgeschehen von Overlord II findet seinen Anfang jedoch im erwachsenen Alter des neuen Overlord. Spätestens an dieser Stelle erkennen Spieler des ersten Teils den Overlord mit seinem gezackten Helm und den rot leuchtenden Augen wieder. Der einst kleine Junge ist zu einem großen, mächtigen Krieger herangewachsen, welcher einen Vergleich mit dem Overlord des ersten Teils nicht zu scheuen braucht. Trotzdem hat der neue Meister sich zu beweisen und sein Weg führt ihn zurück nach Nordberg. Dort kann entweder alles, inklusive des Marktplatzes, verwüstet werden oder auch einigen Bewohnern geholfen werden. Die Taten resultieren in ein bestimmtes Ansehen, das ihr bei den euch neutral gesinnten Wesen habt. Dies ist eher sekundär, da das gesamte Spielgeschehen darauf aufbaut, dass ihr böse oder noch viel böser als böse seid.
Bösartige Konkurrenz
Während die Schergen keinen Overlord haben und der Alte seine Ruhe genießt, hat ein großer Wandel im Lande stattgefunden. Dem römischen Reich verschworene Mächte ziehen durch das Land und verursachen Elend und Tot bei unschuldigen, wehrlosen Bürgern. Sie schworen dem "Glorreichen Königreich" ihre Treue und sind nahezu unaufhaltsam in ihren Eroberungsfeldzügen. Diesen Umstand können sich die Schergen jedoch nicht bieten lassen, da sie ursprünglich für Schmerzen unter den Lebewesen verantwortlich waren und somit ohne Arbeit da stehen. Jetzt haben sie einen neuen Meister und können sich das Ziel setzen, die Konkurrenz zu vertreiben und vor allem zu verprügeln. Neben den Soldaten des "Glorreichen Königreichs" begegnen euch zahlreiche, viel zu nette Zauberwesen, die eure Aktionen überhaupt nicht gutheißen. So müsst ihr kleine Tiere wie Robben und Schafe totprügeln, welche wichtige Lebensenergiepunkte hinterlassen und das Rufen weiterer Schergen ermöglichen. Diese Tierchen werden von den Zauberwesen wie Elfen beschützt, aber von euch gnadenlos zurück in den Zauberwald aus dem sie kommen geprügelt. Es ist also deutlich, dass der Overlord keinen Kampf des Bösen gegen das Gute führt und auch umgekehrt nicht das Böse zu vernichten versucht, sondern sich gegen beide Seiten stellt und schlichtweg alle bekämpft.
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In der Gruppe ist böse sein am schönsten!
Die zuvor erwähnten Schergen sind freche, gewalttätige Gnome, die euch bei all euren Taten unterstützen und im Grunde das Hauptspielelement von Overlord und auch das des Nachfolgers sind. Die Spieler des ersten Teils werden die witzigen, fiesen Helfer sicher noch in Erinnerung behalten haben. Neben dem brutalen Geschehen lassen diese immer wieder bissige Kommentare und fiese Sprüche los und lassen das Böse-Sein als netten Spaß wirken. Zu Beginn begleiten euch fünf bis zehn Schergen, doch im Laufe der Erkundung der Weltkarte gräbt euch ein Schergen-Kumpel immer wieder neue Portale zu eurem Reich. "Er riecht euch wie Fliegen einen Kadaver" kommentiert einer der Schergen. Aus diesem Portal könnt ihr weitere Schergen beziehen, welche euch von da an begleiten werden. Mit einer Gruppe, die bis zu fünfzig Schergen umfassen kann, zieht ihr dann um die Häuser und begebt euch auf die Jagd. Umgekehrt könnt ihr sie auch zurück ins Portal schicken. Die verfügbaren Typen der Schergen haben sich im Vergleich zu denen des ersten Teils nicht verändert. Es gibt weiterhin blaue, rote, grüne und gelbe Schergen mit spezifischen Eigenschaften und Fähigkeiten. Das ausschließliche Mitführen von Schergen nur eines Typs macht euch das Weiterkommen sehr schwer. So benötigt ihr an einigen Stellen besondere Fähigkeiten wie das Löschen von Feuern, das Heilen von Vergiftungen, die Wiederherstellung der Gesundheit oder die rohe Gewalt der Braunen. Wie zuvor erwähnt, gestalten die Aktivitäten der Schergen das Spielgeschehen beinahe vollständig. Die Taten der starken Winzlinge beruhen dabei jedoch auf den Befehlen des Overlord, also den finsteren Absichten des Spielers. An dieser Stelle begegnet euch die erste Schwachstelle von Overlord II, welche sich auch schon im ersten Teil vorfand: die Steuerung. Mit einer Taste wird ein Ziel fixiert und mit einer weiteren wird die Gruppe auf das Ziel gehetzt. Das Anvisieren erweist sich jedoch häufig als sehr kompliziert und unpräzise. Ganz so hakelig ist es im Grunde aber auch nicht, wenn man einen Vergleich zu dem ersten Teil heranzieht, in welchem sich das Ganze als noch schwieriger erwies. Es stehen dem Spieler dabei zwei Befehls-Modelle zur Wahl: Zum Einen kann er die Schergen wie zuvor beschrieben auf eines der Ziele jagen oder sie zum Anderen mit dem rechten Analog-Stick (PS3, Xbox360) manuell steuern und angreifen lassen. Die Steuerung der Schergen und die Steuerung der Kamera wurden nun separiert und etwas hektischere Gefechte sind nun einfacher überschaubar.
Eine würdige Fortsetzung
Neben der verbesserten Steuerung und der separaten Kameraführung gibt es noch weitere Verbesserungen und Innovationen, die Overlord II zu einem guten zweiten Teil machen. Die vermisste Orientierungsmöglichkeit über eine Karte im ersten Teil, ist diesmal vorhanden. Auf diese Weise behält der Spieler die Übersicht über wichtige Stellen in der Spielwelt und findet das nächste Schergen-Portal durch einen gelben Punkt auf der Karte. Unter anderem ist nun auch besser ersichtlich, in welche Richtung die Reise gehen soll. Es ist nicht immer einfach, in einer Preview eine adäquate Wertung der Grafik eines Spiels im Bezug auf das noch fertigzustellende Spiel abzugeben. Es ist jedoch klar ersichtlich, dass eine deutliche Aufbesserung im Vergleich zum ersten Teil stattgefunden hat. Allgemein betrachtet ist die Grafik sehr flüßig und die Texturen sind liebevoll gestaltet. Zusammenfallende Gebäude wirken der Wirklichkeit entsprechend und reißen mit "Glück" noch einige Feinde in den Tod. Dass es keine neuen Typen der Schergen gibt, liegt augenscheinlich daran, dass sich das Geschehen im selben Universum abspielt wie das des Vorgängers. In diesem Fall wäre es nicht nachvollziehbar, neue Arten vorzufinden. Es ist den Schergen jedoch von nun an möglich, Wölfe, Spinnen oder Salamander auf Befehl des Overlord hin zu zähmen und zu reiten. Dadurch wird ihre Kampfkraft gestärkt und ermöglicht es den Schergen zugleich, an vorher unerreichbare Stellen zu gelangen. Zu diesen neuen Elementen gesellen sich noch Weitere, die Liebhaber des ersten Teils durchaus davon überzeugen, dass es sich tatsächlich um eine würdige Fortsetzung handelt.
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