Die Wii, ein Sorgenkind der Dritthersteller. Auf keiner anderen Konsole herrscht ein solcher Mangel an guten Spielen, die gerade mal nicht aus eigenem Hause kommen. Da ist es doch erfreulich zu hören, dass Ubisoft seiner Anno-Reihe ein Wii-Abenteuer gönnt. Auf Nintendos Konsole entfaltet das Spiel zwar nicht unbedingt die Komplexität der PC-Versionen - geschweige denn die Grafikpracht - dafür kommen hier andere Tugenden zum Tragen. Schlüsselwörter dürften wohl „Familie“, „Zugänglichkeit“ und „Spaß“ sein. Denn diese Begriffe werden hier nicht nur vereint, sondern auch sehr gut ausgeführt. Was das im einzelnen bedeutet, klären wir jetzt! Nun aber wieder zurück zu unserem Ausgangsproblem. Unser Volk hungert, friert und ist im Gesamten wohl recht unglücklich. Das bedeutet für uns, dass wir nun als Prinz im Auftrag des Königs ein wenig siedeln und anbauen dürfen. Dazu suchen wir uns in bekannter Manier eine schöne, fruchtbare Insel und lassen uns prompt nieder. Innerhalb weniger Minuten sind die ersten Siedler da, der Holzfäller hackt auf Hochtouren und der Fischers Fritz fischt frische Fische (oder wie man sonst die Tätigkeiten der Fischerhütte umschreiben mag). Nun noch ein paar Getreidefarmen hinterher gebaut und schon läuft die Nahrungsproduktion wie geschmiert und schon bald dürfen wir unserem Herrn Vater ein paar Tonnen Nahrung für die hungernden Untertanen schicken. Blöd nur, wenn das Volk dann auch noch anfängt zu frieren und dem kommenden Winter mit pessimistischem
Gemüt entgegensehen. Doch auch hier sind wir als Sohnemann gut zur Stelle. Schnell eine Insel mit hoher Fruchtbarkeit für Hanf gesucht und schon kann die Produktion von Kleidung beginnen. Somit retten wir nicht nur unser Volk, sonder treffen im weiteren Verlauf der Story auch noch auf eine neue Kultur, den Orient. Das klingt ein wenig nach Anno 1404? Kein Wunder, wurden die beiden Spiele doch zur gleichen Zeit unter Einflussnahme von Blue Byte entwickelt, die dem Siedlern inzwischen anscheinend den Rücken gekehrt haben und nun den armen Wii-Spielern endlich Aufbau-Kost bieten. Apropos Kost. Natürlich gilt es nicht nur dem König genügend Rohstoffe zu produzieren und zu schicken. An erster Stelle steht immer die Bevölkerung, denn diese zahlt Steuern und macht den Aufbau der Siedlung und den An – und Abbau von Rohstoffen erst möglich. Dabei gilt wie immer, je zufriedener der Bürger, desto mehr Steuern ist er gewillt zu bezahlen. Wem das nicht genug ist, der muss nicht nur die Grundbedürfnisse seiner Bürger erfüllen, sondern zudem auch zusätzliche Bedürfnisse stillen. Das heißt, ohne die Milch mit Calcium für starke Knochen möchten unsere Siedler ungern leben. Kaum sind alle Bedürfnisse erfüllt, steigen die Siedler eine Stufe auf und zahlen von nun an mehr Steuern. Hätte der Iran gewusst wie beruhigend Milch auf aufgebrachte Bürger wirkt, hätte man wohl mehr auf Bauernhöfe statt auf Urananreicherung gesetzt.
Das grundlegende Spielprinzip der Anno-Reihe wurde beibehalten, dennoch wurden ein paar Abstriche gemacht. Es gibt weniger Häuser zum Verbauen, damit die stetige Übersicht gewährleistet ist und man somit auch als Anfänger nicht ganz so schnell überfordert ist. Ebenfalls ist eine Grafik, wie auf dem PC, bei der Wii natürlich undenkbar, deswegen hat man sich für einen netten Comic-Look entschieden. Diese ist zwar nicht der Inbegriff der Grafikbombe, ist aber schön anzusehen und läuft stets flüssig. Allerdings könnte eben diese Grafikpracht nicht für jedermann ansprechend sein, da sie doch recht kindisch wirkt. Jetzt werden manche vielleicht sagen, dass das Spiel ganz eindeutig auf Kinder bzw. generell auf die Familie zugeschnitten ist, was auch vollkommen richtig ist, aber gleichzeitig muss man auch als soweit erwachsener Mensch sagen, dass das Spiel seinen Reiz hat. Nicht zuletzt, weil es auf der Wii kaum bis keine Alternativen in diesem Genre gibt. Zudem macht Anno für Wii viel richtig und vermag selbst die Großen zu begeistern.